Berufungskommission

Wie funktioniert eigentlich so ein Bewerbungsverfahren auf eine Dozierendenstelle an der Uni?

Betreut wird das Verfahren von der Berufungskommission, die eigens für diesen Zweck gebildet wird.
Aufgabe der Berufungskommission ist es, eine*n geeigneten Bewerber*in für eine freie Stelle zu finden, der*die die Forschung und Lehre des jeweiligen Instituts sinnvoll ergänzen und voranbringen kann.

Die Kommission besteht hauptsächlich aus Professor*innen der Universität, Vertreter*innen des akademischen Mittelbaus sowie der Studierenden. Auch eine Gleichstellungsbeauftragte sowie Professor*innen aus anderen Hochschulen sind als externe Gutachter Teil der Kommission. Je nach Bewerber*innenfeld kann auch die Schwerbehindertenvertretung hinzu geschaltet werden.

Die freie Stelle wird zunächst von der Universität ausgeschrieben. Die eingegangenen Bewerbungen werden durchgesehen und geeignete Bewerber*innen für das sogenannte „Vorsingen“ (ein Probevortrag, begleitet von Bewerbungsgesprächen) ausgewählt. Dieses Bewerbungsverfahren erstreckt sich über mehrere Tage, die Kommission berät sich eingehend über die erlebten Vorträge und Gespräche mit den Bewerber*innen. Zu guter Letzt bestimmt die Kommission die Berufungsliste und damit die Top 3 (manchmal gibt es auch vier, selten fünf Plätze auf der Liste) der gewünschten Kandidat*innen für die zu besetzende Stelle. Dieser Liste müssen sowohl der Fachbereichsrat, der akademische Senat sowie die Hochschulleitung zustimmen, es kann durchaus zu Änderungen oder einem erneuten Verfahren kommen.

Damit ist aber das Ende noch nicht unbedingt in Sicht: Die oder der Berufene beginnt nun die sog. „Berufungsverhandlungen“ mit der Leitung der Universität. Dabei kann es um verschiedene Bereiche gehen – Lehrdeputat, Ausrüstung des eigenen Lehrstuhls mit Technik, Büchern und Hilfskräften, Menge der Doktorandenstellen und natürlich auch das Gehalt. Hierbei kann es dazu kommen, dass der oder die Bewerber*in oder die Unileitung die Verhandlungen abbrechen und die nächste Person auf der Liste berufen wird. Ist der Vertrag einmal geschlossen, ist er für mehrere Jahre bindend und darf erst nach dem Ablauf dieser Frist verändert werden.

Ob Bewerber*innen in der engeren Auswahl für eine Professur waren, erfahren diese erst zu einem sehr späten Zeitpunkt. Sie erhalten eine Absage und eine Mitteilung über ihr Vorhandensein auf der Liste erst, nachdem der Ruf an den*die Erstplatzierte*n erteilt wurde, oder spätestens kurz vor seiner*ihrer Ernennung zum Professor*in.

Eine wichtige Position nimmt auch die sog. Konkurrentenklage ein – fühlt ein*e Bewerber*in sich bei gleicher Eignung zu Unrecht nicht berufen, kann er oder sie auf diese Art und Weise eine erneute Bewertung unter Einbezug von mehr externen Personen erzwingen. Dieses Verfahren dient vor allem dazu, einen hohen Qualitätsstandart zu gewährleisten. Auch sind in vielen Universitäten die so genannten „Hausberufungen“ – also Berufungen von bereits an der Universität arbeitenden oder von dort graduierten Personen – verpönt oder sogar verboten.

Die Sitzungen der Berufungskommission sind nicht öffentlich. Es muss Protokoll geführt werden, jedoch dürfen nur die Kommissionsmitglieder und, falls üblich, deren Stellvertreter*innen die Sitzungsprotokolle einsehen. Die Kommissionsmitglieder sind zudem zur Verschwiegenheit verpflichtet. Auch Fachbereichsangehörige und Bewerber*innen dürfen keine inhaltlichen Details aus den Sitzungen erfahren.
Aus diesem Grund bleibt die Arbeit der Kommission recht unsichtbar für Außenstehende. Diese erfahren meist erst durch die Ernennung eines*einer neuen Professor*in von dem Berufungsverfahren.

Offiziell endet das Verfahren mit der Antrittsvorlesung. Das ist eine große Einzelveranstaltung, in welcher der*die neue Dozent*in einen Vortrag mit anschließender Feier gibt. Meistens gibt es neben Buffet und Getränken auch die Möglichkeit sich mit allen möglichen Angehörigen des Fachbereichs in entspannter Atmosphäre zu unterhalten. Feine Kleidung ist Pflicht, aber wir würden immer empfehlen, euch Antrittsvorlesungen anzuschauen und die neuen Gesichter an unserem Fachbereich selbst kennenzulernen!

Einige Stellen werden mittlerweile als Tenure Track Stellen ausgeschrieben.